Aufruf zum ersten Kreuzzug – „Deus lo vult“

Vom 18. bis 28. November 1095 fand unter Vorsitz von Papst Urban II. eine Synode in der Kathedrale der französischen Stadt Clermont statt. Im Vorfeld wurde bereits verbreitet, dass der Papst ein Ereignis von besonderer Bedeutung für die Christenheit verkünden wolle. Chronisten zufolge sollen soviele Menschen herbei geströmt sein, dass diese Verkündigung nicht in der Kathedrale sondern am Osttor der Stadt stattfinden musste.

Als der Papst am 27. November 1095 vor die erwartungsvolle Menge trat, hielt er eine stark dramatisierende Rede von den Leiden der Christenheit im Osten und der Notwendigkeit der Befreiung der heiligen Stätten, die Chronisten zufolge, die abweichende Fassungen vom Wortlaut überlieferten, von der Menge begeistert aufgenommen wurde.

Aus einem begrenzt geplanten Feldzug entwickelte sich eine Massenbewegung. Einige wenige folgten aus hehren Glaubenszielen, wohingegen viele einfach nach Macht und Besitz gierten.
Junge Adelige folgten dem Rufe der Kirche, da sie zumeist Ihre Ansprüche um das Familienlehen im Kampf um die Nachfolge in der Heimat verloren hatten (siehe Frankreich das Recht auf Primogenitur „Erbrecht des Erstgeborenen“). In Palästina locken die Möglichkeiten des Landbesitzes, zusätzlich ruhen im Heimatland die Schuldtilgungen und Zinsleistungen, Zölle und Steuern müssen nicht gezahlt werden.

Rechtfertigung des gerechten Krieges Zum Seitenbeginn

In den Lehren der Kirche ist der Begriff „bellum iustum“, der „gerechte Krieg“ verankert. Hierbei handelt es sich um eine Lehre die im 4. Jahrhundert entwickelt wurde. Ein Krieg sie dann als gerecht anzusehen, wenn er im Namen einer legitimen Autorität, wie Kaiser oder Papst, angeführt würde mit dem Zwecke den Glauben zu schützen. Weiterhin solle der Krieger durch göttliche Liebe und Barmherzigkeit geleitet werden.

Die Befehlsgewalt der Armee Zum Seitenbeginn

Der Kreuzzug hätte gemäß Tradition durch ein gekröntes Haupt angeführt werden müssen, jedoch waren Kaiser Heinrich IV. und der französische König Philipp I. exkommuniziert. Der Kreuzzug musste somit ohne Autorität der Krone aufbrechen. Zum geistigen Führer wurde Bischof Adhemar von Monteil berufen. Zum Befehlshaber wurde Raimond IV. von Toulouse gewählt. Somit gab es kein einheitliches Oberkommando.
Gemäß Planung sollte ein großes schlagkräftiges Ritterheer aufgestellt und ins gelobte Land verschifft werden, jedoch machte sich im Herbst 1096 ein viergeteiltes Heer auf den Weg. Aus versorgungstechnischen Gründen marschierten die Truppen zeitversetzt auf verschiedenen Routen, da eine Versorgung eines so großen Heeres nicht möglich war.

Pogrome und Massaker - „Mit frommer Gewalt“ Zum Seitenbeginn

Die in der Bevölkerung brodelnde Gewaltbereitschaft schaffte sich in Deutschland nach der Rede von Papst Urban II ein Ventil in der Vernichtung aller „Feinde“ der Christen. In zahlreichen und blutigen Judenprognomen im Frühsommer 1096 in den Städten Speyer, Worm Mainz, Köln, Trier und Metz wurden sämtliche Juden ausgelöscht. Nur wenige Stadthalter können den Pöbel unter der Führung von Gottschalk, Volkmar und Emich von Leiningen aufhalten und die Juden unter Ihren Schutz stellen.
Die Kirche steht vor einem Dilemma. In ihrer Rolle als Stadtherren treten die Bischöfe für die Juden ein, da ihre Finanzkraft hochwillkommen ist. Auf der anderen Seite haben eben diese Kirchenfürsten es zugelassen, dass sich in die Kreuzzugswerbung judenfeindliche Propaganda einmischt. Die Wanderprediger, die den Kreuzzug predigen, haben keine Bedenken, Leidenschaften und niedere Instinkte gegen Juden anzustacheln.

Der Chronist Albert von Aachen beschrieb die blutigen Exzesse in Mainz wie folgt:
» Die Juden, die gemerkt hatten, dass sie den Händen dieser großen Menge nicht entrinnen könnten, flohen in der Hoffnung auf Rettung zu Bischof Ruthard und hofften alles von seinem Schutz, da er ja der Bischof der Stadt war. Der Bischof nahm eine ganz unerhörte Menge Geldes aus den Händen der Juden entgegen und legte es in sorgsame Verwahrung. Die Juden selbst versammelte er zum Schutze vor dem Grafen Emich und seinen Leuten im geräumigsten Saal seines Hauses.
Aber Emich und seine ganze Schar hielt Rat, und bei Sonnenaufgang griffen sie mit Pfeilen und Lanzen die Juden in bischöflichen Saal an, brachen Riege und Türen auf, überfielen die Juden, ungefähr siebenhundert an der Zahl, die vergebens dem Ansturm von so vielen Tausenden Widerstand zu leisten suchten, trieben sie heraus und machten alle nieder. Auf gleiche Weise schlachteten sie auch die Weiber ab. Und auch die zarten Kinder beiderlei Geschlechtes ließen sie über die Klinge springen.
Die Juden … ergriffen nun gegen sich selbst und gegen die eigenen Glaubensbrüder die Waffen. Denn sie wollten lieber aus eigenen Händen als von Waffen der Unbeschnittenen fallen. «

Ihr Fanatismus wurde nur von ihrer Ignoranz und ihrer blinden Bigotterie übertroffen, die zum Völkermord führte.

Die Invasion (der Bauernkreuzzug unter Peter dem Einsiedler) Zum Seitenbeginn

Durch Verbindungen im kaiserlichen Heer erfährt Sultan Kilij Arslan im Juli 1096 von den nahenden Franken.
Da der junge Sultan diese Gefahr schlecht abschätzen kann, befielt er doppelte Wachsamkeit und lässt die Befestigungsanlagen von Nicäa überprüfen.
Er erfährt, dass die Franken in einem Lager in Civitot, kurz vorher von Kaiser Alexios für andere Söldner errichtet, nur einen Tagesmarsch von Nicäa entfernt untergebracht werden sollen.
Die Kundschafter schätzen die Anzahl der Franken auf Zehntausend Mann. Die Truppen sollen lautstark verkünden: „Wir sind gekommen die Muslime auszurotten“. Dieser Wahlspruch hinderte sie aber nicht auf dem Weg befindliche orthodoxe Kirchen niederzubrennen.
Gegen Mitte September verließen einige Franken das Lager Civitot und zogen nach Nicäa. Sultan Kilij Arslan wurde von der Nachricht überrascht, dass die Franken vor den Toren Nicäas seien. Eine von ihm entsandte Ausfalltruppe wurde fast vollständig ausgelöscht.
Zwei Wochen später erschienen die Franken erneut und nahmen die Festung Xerigordon in einem Überraschungsangriff ein. Der Sultan eilte mit seinen Truppen zur Festung und fand die Franken sich in ihrem Siegestaumel betrinkend vor. Die Festung Xerigordon kann leicht zur Falle werden, da die Wasserversorgung sehr weit weg ist. Somit war das Schicksal der Truppen besiegelt und es wurde nach einer Woche die Kapitulation entgegengenommen.
Die Spione des Sultans verbreiteten bei den im Lager Civitot gebliebenen Franken Misstrauen, die Schlacht sei gewonnen und die Stadt würde ohne sie geplündert. Die Falle war gelegt und selbst als einige Überlebende der Belagerung ins Lager kamen rückten die Truppen am 21. Oktober 1096 in Richtung Nicäa aus um Rache zu nehmen.

Der Sultan erwartete die Franken und ließ die wenig gerüsteten, von der aufgehenden Sonnen geblendeten Krieger in einem Pfeilhagel untergehen. Die im Lager verbliebenen Frauen wurden dahingerafft. Wenige, zwei- bis dreitausend Mann, konnten sich in eine nahe Festung retten und wurden von der byzantinischen Flotte gerettet.

Eintreffen in Byzanz Zum Seitenbeginn

Entgegen allen Voraussagen sind die Kreuzfahrer in Byzanz nicht gerne gesehen. Die militärische Macht des Kreuzfahrerheeres wird eher als Bedrohung der Souveränität des byzantinischen Kaiserreiches angesehen. Zusätzlich lassen die Kreuzzuganführer gegenüber Kaiser Alexios I. durchblicken, dass sie sich nicht seinem Befehl unterstellen und sich nicht für die Ziele des Kaisers einsetzen lassen. Er erkennt bald, dass diese nur aus reinem Eigennutz handeln.
Nach langen und zähen Verhandlungen müssen alle Kreuzfahrer einen Lehnseid gegenüber Kaiser Alexios I. ablegen, nachdem alle eroberten Gebiete dem byzantinischen Kaiser abzutreten sind.

Die Eroberung Nicäas (Eintreffen des regulären Heeres) Zum Seitenbeginn

Nach diesem großen Sieg gegen die Barbaren ist in der Sicht des Sultans die Zeit gekommen sich um wichtigere Probleme zu kümmern.
Er wendet sich seinem Nachbar im Osten, einem gewissen Danishmed „der Weise“, zu.
Im April 1097 steht Sultan Kilij Arslan mit seinem Heer vor den Mauern von Malatya. Vor seinem Zelt erscheint ein völlig erschöpfter Reiter und berichtet von der Bosporusüberquerung der Franken. Aus seiner Sicht besteht keine Gefahr, da der letzte Zug der Barbaren zurückgeschlagen wurde. Da jedoch die junge Sultanin bald ein Kind gebären wird lässt er die Garnison in Nicäa verstärken.

Anfang Mai erscheint ein ängstlicher und erschöpfter Botschafter aus der Hauptstadt und berichtet von der fränkischen Belagerung Nicäas.
Im Gegensatz zum Sommer sind diese Truppen gut gerüstet und ausgebildet. Sie besteht aus tausenden schwer bewaffneten Rittern. Er steht vor der Überlegung Malatya zu opfern und nach Nicäa zurückzukehren, ist Nicäa überhaupt noch zu retten oder steht eine Niederlage an zwei Fronten bevor?
Er entscheidet sich für einen Kompromiss. Er geht zum Ehrenmann Danishmend und unterrichtet ihn von der Bedrohung der Muslime in Kleinasien und schlägt ihm vor die Feindseligkeiten einzustellen.
Noch bevor dieser Waffenstillstand zustande kommt rückt ein Großteil der Armee bereits in Richtung Nicäa ab.

Der junge Sultan findet seine Hauptstadt von Feinden „umlagert“ vor. Unzählige Soldaten sind beschäftigt Schanztürme, Katapulte und anderes Kriegsgerät für den letzten Sturm aufzustellen.
Aus Sicht seiner Emire ist es bereits zu spät, jedoch besteht der Sultan auf einen letzten Durchbruchsversuch im Süden der Stadt. Er wirft sich mit seinen Truppen in eine Schlacht die die ganzen Tag bis in die Nacht hinein dauert. Die Verluste sind auf beiden Seiten schwer, aber die Stellungen können gehalten werden.
Die Schlacht ist geschlagen und die Barbaren haben gewonnen, da der Sultan nur noch den Rückzug antreten kann. Jedoch gibt er, kurz vor dem Rückzug, an die Eingeschlossenen noch eine letzte Botschaft: „Handelt in eurem Interesse!“. Diese Botschaft ist eindeutig, die Stadt muss aufgegeben werden. Nach einigen Überlegungen wählt er Konya als neue Hauptstadt.

Die Stadt fing daraufhin mit Verhandlungen mit dem Basileus an. Die Unterhändler wollten auf Zeit spielen, da sie auf die Rückkehr ihres Sultans mit neuen Truppen hofften.
Die fränkischen Truppen rüsteten jedoch zum letzten Sturm und der Basileus drohte der Stadt, dass er von nun an für nichts mehr garantieren könne. Die Stadt bekam es mit de Angst zu tun, da sie sich an die Plünderungen, Vergewaltigungen und Tötungen der Franken im Jahr zuvor erinnerten.

In der Nacht vom 18. zum 19. Juni 1096 setzten Soldaten der byzantinischen Armee heimlich in die Stadt über. Bei Tagesanbruch wehte bereits die blau-goldene Kaiserflagge auf den Mauern der Stadt. Die Franken sahen von einer Erstürmung der Stadt ab.
Die junge Sultanin wird mit ihrem Neugeborenen zum Kaiser gebracht und wird mit königlichen Ehren, zum Missfallen der fränkischen Truppen, behandelt.
Diese Bemühungen um ihre Person waren der jungen Sultanin befremdlich, bis nach Smyrna, der Stadt ihrer Kindheit, gebracht wurde. Hier herrschte ihr Bruder über das Emirat Smyrna. Sie sollte ihm erklären, dass Nicäa gefallen und ihr Mann Kilij Arslan besiegt worden sei und somit Smyrna das nächste Ziel der byzantinisch-fränkischen Truppen sei. Ihr Bruder akzeptierte das angebotene freie Geleit und das Emirat Smyrna hörte auf zu existieren. Ganz Anatolien war somit in der Hand des byzantinischen Kaisers.

Es gab jedoch noch eine Person die sich mit dieser Situation nicht abfinden wollte. Kilij Arslan war dieser Mann. Er erfährt in den letzten Junitagen von dem Abrücken der fränkischen Truppen in Richtung Palästina.
In der Nähe der Stadt Dorylaion, etwa vier Tagesmärsche von Nicäa entfernt, gibt es eine Stelle, wo der Weg durch ein nicht sehr tiefes Tal führt. Wenn sich die gesammelten türkischen Krieger hinter dem Hügel sammeln, brauchen sie nur noch abzuwarten.
Am 1. Juli 1097 ist es endlich soweit. Die Falle ist gestellt und die Franken erscheinen am Horizont. Die Kreuzfahrer hatten sich in zwei Marschkolonnen unterteilt. Die Vorhut stand unter dem Kommando Bohemund von Tarents. Der erste Eindruck des Sultans ist eine anscheinende Überzahl seiner Seite. Zusätzlich betrachtet er die Schnelligkeit seiner Truppen als klaren Vorteil gegenüber den langsam und sorglos dahin schreitenden (ziehenden) Rittern und Fußvolk.
Als sich die Sonne hinter dem Hügel erhebt, wird der Befehl zum Angriff gegeben. Das fast ausschließlich aus leicht gerüsteten Reitern, die mit Pfeil und Bogen bewaffnet sind, schießen einen „Regen“ von Pfeilen ab, verschwinden und machen Platz für die nächste Angriffswelle Platz.
Diese Taktik sicherte die Vorherrschaft im Orient.
Am Tag der Schlacht stellte der Sultan jedoch beunruhigend fest, dass diese Taktik ihren Dienst versagte. Die Franken hatten zwar keine Möglichkeit der Gegenwehr, da sie schwer gerüstet waren und somit nicht wenig waren, jedoch beherrschten sie die Verteidigung
meisterlich. Der große Vorzug der Franken waren ihre schweren Panzer, die den ganzen Körper, manchmal auch die Pferde bedeckte. Diese „menschlichen Festungen“ waren somit gut vor den niederprasselnden Pfeilen geschützt.
Die türkischen Truppen konnten zwar unzählige Treffer vor allem bei dem Fußvolk landen, jedoch ist ein Großteil der Franken am Ende des Tages unverletzt. Bohemund ließ zur Verteidigung die Trosswagen zu einem Kreis zusammenfahren und verteidigte sich so gegen die berittenen Bogenschützen, die sie umkreisten. Die Kreuzfahrer hatten ihnen nicht entgegenzusetzen und ihre Reihen lichteten sich nach und nach. Gerade als die Niederlage unvermeidlich geworden war erschien Raymond mit frischen Truppen. Ermutigt durch die Verstärkung und die Verwirrung des Feindes griff Bohemund an.
Die türkischen Truppen waren dem Gegner nicht gewachsen, das Überraschungsmoment verspielt. Die Emire raten zum Rückzug, als sich weitere Staubwolken am Horizont aufzeigen.
Der Sultan erkennt, dass er sich den ganzen Morgen nur mit der Vorhut des Gegners herumgeschlagen hat. Als er endlich den Befehl zum Rückzug gibt, wird ihm von einem dritten Frankenheer hinter den türkischen Linien berichtet. Voller Angst flieht der Sultan, die Schlacht ist verloren.
Die meisten Kämpfer konnten nicht fliehen, da sie von allen Seiten umzingelt waren. Ibn al Qalanissi schrieb: „die Franken hieben das türkische Heer in Stücke. Sie töteten, plünderten und machten viele Gefangene, die sie als Sklaven verkauften.“
Der Chronist von Damaskus schrieb zu dieser Niederlage: „Als diese für den Islam so schmachvolle Angelegenheit bekannt wurde, entstand eine regelrechte Panik. Angst und Schrecken nahmen riesige Ausmaße an.“

Antiochia (Der treulose Waffenschmied; die heilige Lanze) Zum Seitenbeginn

Als der Herrscher der Stadt Antiochia Yaghi Siyan vom Herannahen der Franken erfuhr ließ er die in der Stadt lebenden Christen ausweisen. Er tat dies nicht aus Furcht, sondern wollte Schwierigkeiten in der Stadt, wie zum Beispiel einen Aufruhr, verhindern.
Am ersten Tag befahl Yaghi Siyan den Muslims, die Schützengräben vor der Stadtmauer zu säubern. Am nächsten Tag schickte er nur die Christen zu dieser Arbeit vor die Tore. Er ließ sie bis zum Abend arbeiten, als sie aber wieder in die Stadt wollten, hinderte er sie daran und sagte: „Antiochia gehört euch, aber ihr müsst es mir überlassen, bis ich unsere Probleme mit den Franken erledigt habe.“ Daraufhin fragte sie: „Und wer kümmert sich um unsere Kinder und Frauen?“ Der Emir antwortete: „Ich werde es für euch tun.“ Er beschützte die Familien der Ausgeschlossenen tatsächlich und duldete nicht, dass ihnen auch nur ein Haar gekrümmt wurde.
Diese Ausweisung war eine besondere Sicherheitsvorkehrung, da die Stadt von einer schier endlosen Mauer mit Wachtürmen umgeben war und in der Vergangenheit durch Verrat und dem Öffnen einer Tür von Feinden erobert werden konnte.
Auf der einen Seite wurden die ansässigen Christen also als potentielle Verbündete der Franken gesehen, jedoch waren sie aus Sicht der Franken Sympathisanten der Sarazenen. Sie wurden daher von den Muslim wie Bürger zweiter Klasse behandelt.
Yaghi Siyan schickte seinen Sohn zu den muslimischen Herrschern in Syrien, damit dieser von der Bedrohung der Stadt Antiochias berichten konnte. Vom Geschichtsschreiber Ibn al-Qalanissi erfahren wir, dass er vom Heiligen Krieg sprach. Im Syrien der damaligen Zeit ist „djihad“ ein Modewort für jeden in Not geratenen Fürsten wurde, sie förmlich mit diesem Wort um sich warfen.
Da die Stadt sich zwischen Aleppo und Damaskus befindet ist die Wahl des Verbündeten für Yaghi Siyan schwer. Auf der einen Seite ist Aleppo mit seinem König Redwan, dem Schwiegersohn Yaghi Siyan´s, der allerdings hinter seinem Land und Thron her ist, auf der anderen Seite ist sein Bruder König Doukak von Damaskus. Beide befinden sich seit geraumer Zeit im so genannten „Krieg der zwei Brüder“.

Seine Wahl fiel auf Doukak. Er schickte seinen Sohn Chams ad-Dawla, einen freurigen und eifrigen Redner, der nie aufgab um den Herrscher zu überzeugen. Dieser zögerte, nicht aus Angst vor den Franken, sondern er hatte keine Lust sein Heer in die Nähe von Aleppo zu führen und somit seinen Bruder im Rücken zu haben. Zwei Monate nach Beginn der Belagerung Antiochias, im Dezember 1097, erklärt sich Doukak bereit seine Truppe zur Hilfe zu schicken.
Am 31. Dezember 1097 trifft das Heer Doukaks auf eine Truppe der Franken bei der Nahrungsbeschaffung. Der Sultan zögert. Obwohl seine Truppen den Feind bereits umschlossen haben gibt er nicht den Befehl zum Angriff. Die Franken können sich aus seiner Umklammerung und ihrer anfänglichen Starre lösen und ergreifen ihrerseits die Initiative. Am Ende des Tages hat der Sultan mehr Leute verloren als sein Feind und er tritt den Rückzug, trotz verzweifelten Flehens Chams, dem Rückzug an.

Die Nachricht über den Rückzug Doukaks Truppen löst in der belagerten Stadt eine Welle der Enttäuschung aus. Ein Zustand der aber bald durch Berichte der Spione nicht länger von Relevanz erscheint. Sie berichten von einer Hungersnot (einige hundert Tote und fast die gesamten Pferde mussten geschlachtet werden) und von anderen Dingen die die Moral der belagernden Truppe untergraben.
Es regnete zu dieser Zeit ununterbrochen. Das Lager glich einem einzigen Schlammpfuhl. Zusätzlich war die Erde die ganze Zeit am beben. Ein Zustand der die Franken erschreckte. Sie glaubten an den Zorn Gottes und flehten zu ihm. Um seinen Zorn zu besänftigen, heißt es, haben sie beschlossen, die Huren aus dem Heerlager zu weisen, die Taverne zu schließen und das Würfelspiel zu untersagen. Viel von ihnen desertierten, sogar einige Anführer. Natürlich stärkten solche Nachrichten den Mut der Verteidiger.

Es ist wiederum Chams al-Dawla, der den König von Aleppo demütigst um Entschuldigung bittet, alle sarkastischen Bemerkungen über sich ergehen lässt um sich die Truppe für die Rettung Antiochias aus Aleppo zu sichern. Radwan lässt aber durchblicken, dass er sich eher die Hand abhacken lassen würde als Yaghi Siyan diesem zum Friedensbund zu reichen.
Die Ereignisse führten aber bald zu einer Umentscheidung des Sultans, da die Nahrungssuchenden Franken einen immer größeren Kreis ziehen mussten und somit auch in den Einflussbereich Aleppos kamen. Der Sultan willigt ein. Er schickt die rettenden Truppen.

Am 09. Februar 1098, zu Beginn des Nachmittags, sichten die Späher der Zitadelle das Entsatzheer. Es werden mehrere tausend Reiter gezählt, wohingegen die Franken nur um die sieben- bis achthundert Reiter aufbieten können. Da das Heer Redwans anhält und ein Lager errichtet wird der Ausfall der Stadt auf den nächsten Tag verschoben.
Redwan ist von den Berichten über die Tapferkeit und die kriegerischen Fähigkeiten der Franken so entsetzt, dass er seine Truppen die ganze Nacht eng beieinander auf einem schmalen Streifen lagern lässt.
Als die Franken am nächsten Morgen angreifen ist das Heer wie gelähmt. Durch den schmalen Landstreifen können sie sich nicht bewegen und ihre Pferde bäumen sich auf. Wer vom Pferd fällt wird niedergetrampelt. Die schnellen Bogenattacken können nicht durchgeführt werden und es entwickelt sich ein Kampf Mann gegen Mann in dem die Franken, bedingt durch ihre schwer gepanzerten Ritter, sehr schnell den Sieg erringen. Es ist ein fürchterliches Gemetzel als der König in diesem Durcheinander mit seinem Heer die Flucht ergreift.
Vor den Stadttoren sieht die Sache etwas anders aus. Die aufgefallenen Truppen konnten massige Landgewinne verzeichnen. Kurz vor Mittag haben die Truppen von Yaghi Siyan das Lager der Franken beinahe umzingelt, als die Botschaft von der Niederlage und Flucht Redwans eintrifft. Die Truppen müssen sich in die Stadt zurückziehen.

Etwa zur selben Zeit führte der Frankenführer Balduin mehrere hundert Ritter und etwa zweitausend Fußsoldaten nach Edessa. Er wurde vom dort ansässigen Fürsten Thoros zur Verstärkung der Garnison gerufen. Balduin lehnte es jedoch ab einfach nur als Söldner eingesetzt zu werden. Er verlangte als gesetztlicher Erbe von Thoros eingesetzt zu werden. Da der alte Fürst Kinderlos war ging er auf diesen Handel ein. Die offizielle Adoption fand nach armenischen Gebräuchen statt. Thoros trug ein weites weißes Gewand, während Balduin bis zum Gürtel nackt, unter das weite Gewand „seines Vaters“ schmiegte. Nun kam die „Mutter“ an die er sich ebenfalls schmiegen musste. Diese Zeremonie mag zwar lächerlich erscheinen, jedoch waren die Folgen eher grausam. Nur wenige Tage nach der Zeremonie wurde das „Elternpaar“, auf Veranlassung des neuen Sohnes, von der Menge gelyncht. Balduin rief sich als Graf von Edessa aus und setzte seine „fränkischen Gesellen„ in die einflussreichen Positionen.

In Mossul rüstet sich die letzte Hoffnung der belagerten Stadt. Unter der Führung von Karbuka rüstet sich ein dreißigtausend Mann starkes Heer und verlässt die Stadt in den letzten Apriltagen des Jahres 1098.
Dieses große muslimische Heer soll bei Verlassen der Stadt einen herrlichen Anblick mit seinen zahllosen in der Sonne blitzenden Lanzen und schwarzen Bannern, Feldzeichen der Abassiden und Seldschuken, die in mitten der weiß gekleideten Reiter wehten, geboten haben. Trotz der Hitze schlagen sie ein großes Tempo an und würden bei gleichbleibender Geschwindigkeit innerhalb von zwei Wochen die belagerte Stadt erreichen. Doch Karbuka ist sich seiner Sache nicht sicher. Er befürchtet eine Umklammerung durch die fränkischen Truppen in Edessa (etwa 3.000 Mann). Er entschließt sich unter abraten seiner Emire zur Belagerung von Edessa.

Am 2. Juni 1098 um etwa vier Uhr morgens ist im Süden der Stadt das kaum merkliche Geräusch eines Seiles das sich an Stein reibt zu hören. Ein Mann lehnt an einem fünfeckigen Turm und gibt ein Zeichen. Es ist Firuz der Waffenschmied. Er ist verantwortlich für die Turmverteidigung, einer aus dem engsten Kreis Yaghi Siyan´s, wurde aber vor kurzer Zeit von ihm des Schwarzhandels bezichtigt.
Ibn al-Athir berichtete: „Nachdem die Franken mit dem heimtückischen Waffenschmied übereingekommen waren, kletterten sie zu dem kleinen Fenster hinauf, öffnete es, befestigten Seile und leiß mehr als fünfhundert Mann einsteigen. Bei Tagesanbruch, als die Verteidiger von der langen Nachtwache erschöpft waren, ließen sie die Trompeten erschallen. Yaghi Siyan fragte, was das zu bedeuten habe. Man antwortete ihm, dass der Trompetenklang von der Zitadelle komme, die wohl eingenommen sein müsse.“
Der Lärm kam nicht von der Zitadelle, sondern vom „Turm der zwei Schwestern“. Yaghi Siyan glaubte alles verloren und verließ die Stadt fluchtartig. In der Stadt herrschte Morden, Sengen und Brennen. Männer, Frauen und Kinder versuchten zu fliehen, jedoch war es den fränkischen Reitern ein leichtes sie bei den schlammigen Straßen zu fangen und zu töten.
Fulcher von Chartres berichtet: „Als die Türken die Franken mit blankem Schwert in der Stadt umherlaufen und blindlings Leute töten sahen, begannen sie zu fliehen. Die Griechen und Armenier beteiligten sich an dem Blutbad und die Christen brachten jeden Türken innerhalb der Mauern um. Bei Einbruch der Nacht war alles zu Ende und die Straßen warem voller Leichen…sodaß man nicht in den Straßen und Gassen laufen konnte, ohne über Leichen steigen zu müssen.“
Inmitten dieses blutigen Gemetzel behält ein einziger Mann einen kühlen Kopf. Es ist Chams ad-Dawla. Er verschanzt sich mit einigen Kriegern in der noch nicht eingenommenen Zitadelle. Sie könnten diese hoch über der Stadt, auf der Spitze des Berges Habiban-Najjar, thronende Zitadelle monate lang halten und der Feind würde tausende seiner Krieger an den Klippen, bei den Erstürmungsversuchen, verlieren. Aus diesem Grunde schlägt der junge Feldheer das freie Geleit Bohemund von Tarents aus. Er hofft noch immer auf das Heer aus Mossul.

Das Heer aus Mossul erreicht die Stadt drei Tage nach ihrem Fall. Es wird von den jubelnden Krieger der Zitadelle empfangen. Doch es herrscht Uneinigkeit unter den anführenden Fürsten. Jeder will den Ruhm der Zerschlagung des Kreuzfahrerheeres für sich gewinnen.
Nach zwölf Tagen der Belagerung sieht es für das fränkische Heer nicht besonders gut aus. Die Ritter mussten sich von ihren Reitpferden und ihre Armen von Blättern und Aas ernähren. Die Gesta Francorum berichtet: „Es herrschte ein solcher Hunger in der Stadt, dass ein Pferdekopf ohne Zunge drei Solidi kostete, die Kutteln einer Ziege fünf, ein Huhn acht oder neun.“
Die Franken hatten in letzter Zeit öfter mit Hunger zu tun, jedoch konnten sie in´dieser Zeit auch Plünderzüge unternehmen um ihre Bestände aufzufrischen. Dies war jetzt nicht mehr möglich. In der Mitte der Stadt thronte die Zitadelle, mit muslimischen Kriegern besetzt, und die Stadt wurde von muslimischen Truppen belagert. Die Zahl der Überläufer und Fahnenflüchtigen stieg von Tag zu Tag.

Doch führte ein besonderes Ereignis zu einer Wende in dieser aussichtslosen Situation.
Eines Tages erschien ein Bauer namens Peter Bartholomäus im Zelt des Grafen Raimund, der als besonders fromm galt, vor ihm und dem Bischof Adhemar von Le Puy um ein Geständnis abzulegen. Seit einigen Monaten sei ihm der heilige Andreas im Traum erschienen und befehle ihm, den Grafen Raimund zu enthüllen wo die heilige Lanze begraben liege, mit der auf Golgatha die Seite Christi durchbohrt worden ist.

Der Bischof ist skeptisch, weis er doch von eine heiligen Lanze im Besitz Heinrich I.. Aber ein kleines Wunder kann ja nicht schaden…. Also hält er sich erst einmal bedeckt und beobachtet. Der Fürst ist hingegen „Feuer und Flamme“. Er glaubt der Geschichte und er lässt, gemäß der Forderung des heiligen Andreas über Peter Bartholomäus, zwölf Ritter aussuchen um in der Kathedrale nach der heiligen Lanze zu suchen. Niemand achtete darauf, dass die Kirche kurz vorher gesäubert und neu eingeweiht worden ist. Als die Dämmerung hereinbrach und die Ritter der Erschöpfung nahe waren, sprang Peter Bartholomäus in die Grube und hob eine ziemlich verroste Lanzenspitze in die Höhe.

Ein weiterer Zufall kam den Kreuzfahrern zugute. Raimund wurde krank und Bohemund wurde für die nächsten zwei Wochen zum Ober-kommandierenden des Heerzuges gewählt. Seine erste Amtshandlung war es den Mönch Peter von Amiens ins Lager der Türken mit einer Botschaft zu schicken. Bohemund könne ihr Leben nur garantieren, wenn sie abziehen und ihre mitgeführten Schätze dalassen. Peter von Amiens kommt mit einer Antwort des Sultan zurück: Wer sich nicht auf der Stelle zum Islam bekenne, werde die Stadt nicht lebend verlassen, ausgenommen die schönsten Knaben und Jungfrauen, die man als Sklaven zu veräußern gedenkt. Der trickreiche Bohemund hat es geschafft. Seine schier sinnlose Mission des Peter von Amiens hat dem gesamten Heer gezeigt, dass es keine weiteren Verhandlungen mehr geben wird und es nur die Wahl zwischen Leben und Tod bzw. Sklaverei gibt.

Ibn al-Athir berichtet:
„Bei den Franken war der Führer Bohemund, aber es gab da auch einen Mönch, der äußerst listig war und ihnen versicherte, daß die Lanze des Messias, Friede sei mit Ihm, im Kussyan, einem großen Gebäude in Antiochia, vergraben sei. Er sagte zu ihnen: „Wenn ihr sie findet, werdet ihr siegen, wenn nicht, so ist es euer sicherer Tod.“ Zuvor hatte er eine Lanze unter dem Kussyan vergraben und alle Spuren säuberlich verwischt. Er befahl ihnen drei Tage zu fasten und Buße zu tun. Am vierten Tag ließ er sie mit ihren Knappen und Knechten das Gebäude betreten. Es wurde überall gegraben und die Lanze gefunde. Da rief der Mönch „Freut euch, nun ist euch der Sieg gewiß!“ Am fünften Tag verließen sie das Tor der Stadt in kleinen Gruppen, jeweils fünf oder sechs Mann. Da sprachen die Muslims zu Karbuka: „Wir sollten uns in der Nähe des Tores postieren und sie beim Herauskommen sofort töten. Das ist einfach, da sie so wenige sind.“ Aber er antwortete: „Nein wartet, bis sie alle draußen sind, und dann werden wir sie alle bis auf den letzten Mann töten.“
Diese Idee erscheint auf den ersten Blick absurt, jedoch durfte er die Franken werder erschrecken durch eine zu massive Gegenwehr und auf der anderen Seite musste er mit seinen zerstrittenen und undisziplinierten Truppen den Angriff zu einer günstigen Gelegenheit beginnen. Während die Franken weiter ausschwären, beginnen im Lager der Muslims die ersten Desertationen. Es wird von gegenseitigem Verrat und Feigheit gesprochen. Großteile des Heeres zieht seines Weges. Da Karbuka den Franken kaum noch etwas entgegenzusetzen hat befiehlt er den allgemeinen Rückzug und kehrt im Schmach und Schande zurück nach Mossul. So ist ein so mächtiges muslimische Heer auseinandergefellen, „ohne auch nur einen Schwertstreich oder Lanzenstich geführt oder einen Pfeil abgeschossen zu haben“ beschreibt Ibn al-Athir.

In christlichen Quellen wird die Schlacht als großer Sieg beschrieben. Die Führsten sprengten mit der Heiligen Lanze den Türken entgegen und die gepanzerten Wellen überrollten mit dem Schlachtruf „St. Georg, St. Mercurius und St. Demetrius!“ die feindlichen Truppen.
Die Gesta Froncorum berichtet hierzu: „Als sich alle unsere Männer außerhalb der Stadt befanden … riefen wir den wahren und lebendigen Gott an und griffen an … und mit Gottes Hilfe schlugen wir sie. Die Türken rannten in Schrecken davon und wir verfolgten sie, mehr auf die Jagd als auf die Beute erpicht.“

Die Zitadelle wurde in die Hand Bohemund von Tarent gegeben, sein Banner wehte fortan über den Zinnen der Stadt, das Banner des neuen Herrschers.

Die Kannibalen von Maara (Ma’arat en-Numan) Zum Seitenbeginn

„Ich weiß nicht, ob dies hier das Jagdrevier wilder Bestien ist oder mein Haus, die Stätte meiner Geburt“ schrieb einst ein anonymer Dichter aus Maara.

Bis die Franken kamen handelte es sich um Maara um eine friedliche Stadt, umgeben von Weinbergen, Olivenhainen und Feigenbäumen, die der Stadt einen bescheidenen Wohlstand sicherte.

Es ist Ende November als die fränkischen Truppen, auf dem Weg weiter Richtung Jerusalem, Maara passieren. Sie wird sehr schnell eingekreist und eine Flucht der Bewohner unmöglich gemacht. Maara besitzt keine ausgebildeten Truppen sondern nur eine Bürgermiliz. Sie können sich zwei Wochen tapfer gegen die Franken verteidigen.

Am Abend des 11. Dezember setzten sich die Notablen der Stadt mit dem Heerführer Bohemund zusammen. Er sichert ihnen zu das Leben der Bewohner zu schonen, wenn sie den Kampf aufgeben und sich in bestimmte Gebäude zurückziehen. In Vertrauen auf sein Wort sammeln sich die Familien in den Häusern und Kellern.
Bei Tagesanbruch beginnt die Erstürmung der Stadt. Das Töten dauerte volle drei Tage an. Es wurden an die zehntausend Menschen getötet, Frauen und Kinder in die Sklaverei verkauft.

Albert von Aachen berichtet: "Pudet referre quod audierim, quodque dedicerim ab ipsos pudoris auctoribus." ("Es ist beschämend zu berichten, was zu hören war und was bezeugt wird von den schamerfüllten Chronisten.)

Der fränkische Chronist und Augenzeuge Raoul de Caen berichtet, wie mit den Getöteten umgegangen wurde:
"Die Unseren kochten die erwachsenen Heiden in Töpfen und steckten die Kinder auf Spieße, um sie gegrillt zu verschlingen."

Über diese Vorgänge schrieben der Erzbischof Daimbert von Pisa, Gottfried von Bouillon und Raimund von Toulouse bald darauf im Jahre 1100 an den Papst:
„A notre Saint Père le pape, à l’église romaine, à tous les évêques et a tous les chrétiens:
[...]
Nous fûmes bientôt livrés á une famine si cruelle, que quelques-uns de nôtres, dans leur désepoir, ne paraissaient pas éloignés de se nourir de chair humaine. Il serait trop long de faire le récit de tout ce que nous souffrîmes á ce sujet.
[…]
Une famine horrible qui y assaillit l’armée, la mit dans la cruelle nécessité de se nourrir des cadavres de Sarrasins, déjà en putréfaction.“

Übersetzung: „An unseren Heiligen Vater den Papst, an die Römische Kirche, an alle Bischöfe und an alle Christen:"
[Über die Belagerung von Antiochia] "Wir wurden bald einer so grausamen Hungersnot ausgesetzt, dass einige von den Unseren in ihrer Verzweiflung nicht weit davon entfernt schienen, sich mit menschlichem Fleisch zu ernähren. Es würde zu lange dauern, Bericht über alles zu geben, wie wir aus dieser Ursache zu leiden hatten.“
[Über die Eroberung von Ma’arat] "Eine schreckliche Hungersnot, die unsere Armee überfiel, brachte diese zu der grausamen Notwendigkeit, sich von den Leichnamen der Sarazenen zu ernähren, die schon in Verwesung waren."

Der Geschichtsschreiber Ussama ibn Munqidh beschrieb das Wesen der Franken nach den Ereignissen in Maara wie folgt:
„Alle die nach dem Wesen der Franken geforscht haben, mußten feststellen, daß sie Tiere sind, die uns zwar an Mut und Kampfbereitschaft überlegen sind, aber sonst nicht, eben wie uns die Tiere nur durch ihre Kraft und Angriffslust überlegen sind.“

Jerusalem (Der Lohn aller Mühen) Zum Seitenbeginn

Als Nicäa fällt kann sich in Kairo der mächtige und beleibte Wesir al-Afdal Chahincha, der christlicher Abstammung ist, vor Freude kaum noch zurückhalten. Er lässt dem Kaiser von Byzanz seine besten Glückwünsche für sein weiteres Unterfangen übermitteln und schickt Unterhändler, reich mit Geschenken und Schätzen beladen, ins Lager der Franken, um ein Bündnis ausarbeiten zu lassen. Es wird den Kreuzfahrern eine Teilung vorgeschlagen. Nordsyrien solle den Kreuzrittern gehören, wohingegen Südsyrien dem ägyptischen Staat untergliedert werden solle, dass heißt Palästina, Damaskus und die Küstenstädte bis Beirut.
Doch die Franken sind in ihren Antworten eher ausweichend. Sie behandeln die Delegation zwar freundschaftlich, unterzeichnen aber nicht das Abkommen.
Als im Juni 1098 Antiochia fällt, entschließt sich der Wesir sowohl Feinde als auch Verbündete zu überraschen. Er verlässt Kairo mit seinem Heer in Richtung Jerusalem. Nach vierzig Tagen der Belagerung fällt die Stadt und den dortigen Emiren wird der freie Abzug gewährt.

Jerusalem ist fest in christlicher und muslimischer Hand.

Er schickt im Januar 1099 einen Mann des Vertrauens nach Konstantinopel. Hieraus resultierend entsteht ein entscheidender Brief indem Alexios I. eingesteht, dass „er der Franken nicht mehr Herr sei“. Die Franken handeln nur noch in ihrem eigenen Sinne und wollen eigene Staaten errichten.

Er versucht es mit einem neuen Bündnisangebot an die Franken, jedoch erhält er als Antwort: „Wir werden alle gemeinsam nach Jerusalem gehen, in Schlachtordnung und mit erhobenen Lanzen.“49 Das ist eine offene Kriegserklärung seitens der Kreuzritter und am 19 Mai 1099 überschreiten sie die Nordgrenze des fatimidischen Gebietes.

General Iftikhar ad-Dawlan ist der Garnisionskommandeur Jerusalems. Er hat in den letzten Monaten die beschädigten Mauerpassagen reparieren lassen und Jerusalem auf eine Belagerung vorbereiten lassen. Zusätzlich ließ er alle Brunnen im Umfeld um Jerusalem vergiften. Vorsichtshalber hat er, wie Yaghi Siyan, die Christen aus der Stadt gewiesen, damit sie nicht mit ihren fränkischen Glaubensgenossen kollaborieren können.

Anders als erwartet schlagen die Franken am 6. Juli 1099 nicht zuerst ihr Lager auf und beginnen Belagerungsmaschinen zu bauen. Von ihren Priestern angeführt beginnen sie unter ohrenbetäubendem Singen eine Prozession und die Stadtmauern und gehen dann unvermittelt, wie wahnsinnig geworden, ohne Leitern zu einem Sturmangriff auf die Stadt über. Ein solch religiöser blinder Fanatismus erschreckt den General. Er selber ist zwar Muslim, jedoch stehen bei ihm die militärische Karriere und das Wohl des Staates im Vordergrund.

In der Nacht vom 13. Auf den 14. Juli 1099 wurden die Belagerungsmaschinen in Stellung gebracht und ließen einen Hagel von Geschossen nach dem anderen ab. Am 15. Juli 1099 kam der entscheidende Moment:
„Von den beiden Streittürmen, die die Franken gebaut hatten, befand sich der eine auf der Seite von Zion, im Süden, erzählt Ibn al-Athir, und der andere im Norden. Es gelang den Muslims, den ersten zu verbrennen mit seiner gesamten Besatzung. Kaum hatten sie ihn zerstört, da kam ein Botschafter und rief nach Hilfe, denn die Stadt war von der anderen Seite her überfallen worden. Tatsächlich wurde sie von Norden her eingenommen, eines Freitag morgens, sieben Tage vor dem Ende des Chaaban 492.“

Ibn al.Athir berichtet: „Die Bevölkerung der Heiligen Stadt mußte ausnahmslos über die Klinge springen, und die Franken richteten eine Woche lang ein Blutbad unter den Muslims an. In der al-Aqsa-Moschee töteten sie über siebzigtausend Menschen“

Ibn al-Qalanissli berichtet hierzu: „Viele Menschen wurden getötet. Die Juden wurden in ihrer Synagoge zusammengetrieben, wo die Franken sie bei lebendigem Leibe verbrannten. Sie zerstörten auch die Heiligen geweihten Gebäude und das Grab Abrahams – Friede sei mit ihm!“
(Unter den von den Eroberern zerstörten Gebäuden befand sich auch die Omar-Moschee.)

Die Kreuzfahrer-Chronik „Gesta Francorum“ berichtet von dem Blutbad in Jerusalem wie folgt:
„In die Stadt eingedrungen, verfolgten unsere Pilger die Sarazenen bis zum Tempel des Salomon, wo sie sich gesammelt hatten und wo sie während des ganzen Tages den Unsrigen die Heiden endlich zu Boden geschlagen hatten, ergriffen sie im Tempel eine große Zahl Männer und Frauen und töteten und ließen leben, wie es ihnen gut schien. Bald durcheilten die Kreuzfahrer die ganze Stadt und rafften Gold, Silber und Pferde und Maulesel an sich; sie plünderten die Häuser, die mit Reichtümern überfüllt waren.
Dann, glücklich und vor Freude weinend, gingen die Unsrigen hin, um das Grab Unseres Erlösers zu verehren, und entledigten sich Ihm gegenüber ihrer Dankesschuld. Am folgenden Tag erkletterten die Unsrigen das Dach des Tempels, griffen die Sarazenen, Männer und Frauen an, zogen das Schwert und schlugen ihnen die Köpfe ab. Einige stürzten sich von der Höhe des Tempels hinab… Man befahl auch, alle toten Sarazenen aus der Stadt zu werfen, wegen des unsäglichen Gestanks, denn die ganze Stadt war völlig von ihren Leichnamen angefüllt. Die lebenden Sarazenen schleppten die Toten aus der Stadt und machten daraus häuserhohe Haufen. Niemand hat jemals von einem ähnlichen Blutbad gehört oder es gesehen. Scheiterhaufen gab es wie Ecksteine, und niemand außer Gott kennt ihre Zahl.“

Der Chronist Raimund von Aguilers schrieb: „Als die Unsrigen schon der Mauern und Türme bemächtigt hatten, konnte man Wunderbares erblicken. Den einen wurden, was leichter war, die Köpfe abgeschlagen, andere wurden mit Pfeilschüssen gezwungen, von den Türmen zu springen. Wieder andere wurden lange mit Feuer gequält und verbrannt. Man sah Haufen von Köpfen, Händen und Füßen in den Häusern und Gassen.“

Fulcher von Chartres ergänzt diesen Bericht wie folgt:
„Was soll ich sagen? Niemand wurde am Leben gelassen. Weder Frauen noch Kinder wurden verschont.“

Zum Massaker in der Al-Aqsa-Moschee schreibt der Chronist Raimund von Aquiles:
„Wir kamen zum Tempel Salomons, wo sie ihren Ritus und ihre Gesänge pflegten. Was aber geschah dort? Wenn ich die Wahrheit sage, wird man mir nicht glauben. Es mag genügen, dass sie im Tempel Salomons uns Vorhof bis zu den Knien und den Zügeln ihrer Pferde im Blut ritten. Wahrlich ein gerechtes Gericht, dass der Ort das Blut derjenigen empfing, deren Gotteslästerung er so lange erdulden musste.“

Gottfried von Bouillon lässt sich zum advocatus sancti sepulchri („Beschützer des Heiligen Grabes“) ernennen und wird Regent des Königreichs Jerusalem.

Jerusalem war wieder in christlicher Hand.

Nachwirkungen der Kreuzzüge Zum Seitenbeginn

Der erste Kreuzzug führte zur Einrichtung mehrerer Kreuzfahrerstaaten. Die dort herrschenden Kreuzfahrer schwächten sich durch Uneinigkeit und Streitigkeiten. Im Gegenzug schloss sich der Islam zusammen.
Da die Kreuzfahrer mehrere Küstenstädte des östlichen Mittelmeeres eroberten, erlebte der Orienthandel einen gewaltigen Aufschwung, von dem vor allem italienische Hafenstädte wie Genua und Venedig profitierten. Der Kontakt mit der byzantinischen und der arabischen Welt führte zu einer kulturellen Weiterentwicklung des Abendlandes.
Der Beginn der Kreuzzüge leitete außerdem die allmähliche Herausbildung gemeinsamer ritterlicher Ideale in Westeuropa ein, die stärker als zuvor von christlichen Vorstellungen geprägt waren.

Die arabische Welt ist von den Franken (dem Rechtsystem) fasziniert und fürchtet sie zugleich. Sie hat sie als Barbaren erlebt und besiegt, aber sie beherrschen heute die Welt, und die Araber bringen es nicht fertig, die Kreuzzüge als ein abgeschlossenen Kapitel der Geschichte zu betrachten.
So beziehen sich, an der Schwelle zum dritten Jahrtausend, die politischen und religiösen Führungskräfte der arabischen Welt immer noch auf Saladin, auf den Fall Jerusalems und seine Wiedereroberung. In der Volksmeinung auch in gewissen offiziellen Reden wird Israel mit einem neuen Kreuzfahrerstaat gleichgestellt.
Man kann also nicht verhindern, dass sich in einer ständig angegriffenen muslimischen Welt ein Verfolgungskomplex einstellt, der bei manchen Fanatikern die Form einer gefährlichen Besessenheit annimmt. Man denke nur an den Türken Mehemet Ali Agca, der am 13. Mai 1981 auf den Papst geschossen und dazu in einem Brief erklärt hat: „Ich habe beschlossen, Johannes Paul II., Obersten Kriegsherrn der Kreuzritter zu töten.“

Ein Dichter aus Maara, Abul-Ala al Maari, formulierte dieses Dilemma es wie folgt:
Das Schicksal zerbricht uns, als seien wir Glas,
und unsere Scherben finden niemals wieder zusammen.

Dieser blinde Dichter formulierte auch in einer gewissen Kühnheit folgendes zum Thema Religion:
Die Bewohner der Erde sind in zwei Arten geteilt,
Die einen haben ein Hirn, aber keine Religion,
Die anderen haben eine Religion, aber kein Hirn.

Diese Aussage muss jedoch auf die religiösen Eiferer relativiert werden. Ein jeder Eiferer der seiner Religion folgt, vernachlässigt seinen Intellekt, was ihn daran hindert Unstimmigkeiten oder Verwerfliches zu prüfen. Dies zeigten uns die Kreuzzüge im besonderen Maße, eine Form des religiösen Eifers, der bis in die heutige Zeit seine Bahnen zieht.