Ein rechter Ritter pflegte sich an bestimmte Ideale zu halten. Ohne die Einhaltung dieser Ideale galt er nicht als Würdig sich ein Ritter zu nennen.

ÊRE
Die Ehre – Sie gilt als verloren, wenn das Verhalten als unritterlich erachtet wird

STAETE
Die Stetigkeit – Durchhaltevermögen und den eigenen Zielen treu bleiben

TRIUWE
Die Treue – vor allem gegenüber dem Lehnsherren und dem Schildgefährten gegenüber

MÂZE – ZUHT
Maßhaltung und Zucht – Unterdrücken von Hass, Jähzorn und Böswilligkeit

MINNE
Gemeint ist hier die hohe Minne

Der Minnesang ist eine hoch stilisierte Kunst. Zumeist handelt es sich um ein vergebliches Betteln eines Ritters um die Liebesgunst einer Dame. In aller Regel ist diese Dame gesellschaftlich höher gestellt als der Ritter, zumeist auch verheiratet. Doch dies hält den Ritter nicht davon ab, sich stets auf Neue um eine Zeichen Ihrer Gunst zu werben, was er zuweilen auch erhält in Form einer huldvollen Geste. Die Anstrengungen die hierzu erforderlich sind, gelten als willig vollzogener Dienst, und das Ergebnis für ihn selbst ist Zucht und Erziehung. Zum Bild des vollkommenen Ritters gehört, daß er der Dame seines Herzens selbstlos dient und zu ihrem Ruhm körperliche Gefahren auf sich nimmt.

Hier als Beispiel ein Auszug aus einer Dichtung von Wilhelm IX. von Aquitanien:

Knüpft´ meine Herrin fest das Band
Der Liebe: dankte ich´s ihr fein
Mit Huldigen und mit Heimlich-Sein
Und diente ihr mit Mund und Hand
Und ehrte ihren Ruf und Stand
Und säng ihr Lob landaus, landein!

Nie hab ich Boten ihr gesand;
Mir bangt, ihr brächt´s Verdruss und Pein;
Nie hab ich, aus Scheu allein,
Ihr meine Liebe laut bekannt:
Mein Herz sei ihr das Unterpfand,
Das ich ihr nah nur kann gedeihn!

MILTE
Die Milde – Gerechtigkeitsliebe, freigiebige Almosen, Schutz von Witwen und Weisen

Die Milde deckte sich mit den Forderungen der Kirche. Sie verlangte die Kirche und Ihre Diener, die Witwen und Weisen und alle Schutzbedürftigen zu schützen und ungerechtfertigte Fehden und Kriege zu unterlassen. Diese Forderungen seitens der Kirche entstanden dadurch, daß das Volk bereits unter diesen ungezügelten Fehden und Kriegen zu leiden hatte. Somit deckte sich die Forderung der Kirche mit der der Schutzbedürftigen, also dem Volk.
Die Kirche hat ihre Friedensbemühungen gegenüber dem Adel zäh und unermüdlich fortgesetzt und ihre Forderungen immer wieder mit Nachdruck derer, denen die Not im Nacken sitzt, erhoben.

HOHER MUOT
Der hohe Mut – Die edle Lebenseinstellung in und zu allen Dingen

SAELDE
Die Seligkeit – Das letzte Ziel, die Seligkeit bei Gott, wichtig ist hier das Verhalten auf Erden

Die Seligkeit zeigt sich besonders im Wandel das Rittertum im Jahre 1095 AD, als Papst Urban II in seiner Rede in Clermont zum ersten Kreuzzug aufrief. In seiner Rede rief er eine militia Christi aus, die bewaffnet nach Jerusalem pilgern sollte.
„Jetzt sollen Ritter werden, die vordem Räuber waren. Jetzt sollen mit Recht gegen die Barbaren kämpfen, die zuvor gegen ihre Brüder und Verwandten gekämpft haben.“
Die Unvereinbarkeit zwischen Krieg und Frieden, Ehre und Rettung des Seelenheils schien durch diese militia Christi plötzlich vereint, da der Ungläubige bekämpft und die Christenheit geschützt wurde.