Der Knappe – Idealisiertes Bild

Das literarische bzw. uns meist vermittelte Bild ist der Knappen adelig oder zumindest ritterlicher Herkunft. Aus der elterlichern Führsorge entnommen, wird der er in Dienst eines fürstlichen Herrn gestellt. Dort durchläuft er eine Ausbildung am Hofe, die für ihn eine Vorbereitung auf die ritterliche und höfische Gesellschaft sein sollte.
Seine Ausbildung erstreckte sich nicht nur auf die Ausübung des Waffenhandwerkes, sondern auch in geistlicher Hinsicht, um ihm ein Wertbewußtsein zu vermitteln, wie sie den Verhaltensnormen des höfischen Menschenbildes entspricht.

Die Ausbildung des jungen Knappen dient der Entwicklung und der Erprobung der eigenen Fähigkeiten.

Ein neuer Lebensabschnitt beginnt als junger Ritter mit einer Aventuire oder Turnierfahrt.

Der adelige Knappe – Realbild Zum Seitenbeginn

Bis zum 7. Lebensjahr war die Erziehung den Frauen überlassen. Mit ungefähr sieben Jahren kam der für den Ritterstand bestimmter adeliger Junge ins Haus eines Ritters an fremdem Hof und diente dort zunächst als Page; anschließend wurde er Knappe, diente seinem Herrn im Feld und erwarb kriegerische Fertigkeiten. Dort sammelte er durch körperliche Übungen Erfahrungen und stellte seine Geschicklichkeit fest, woraus ein Gewinn an Selbstvertrauen resultierte. Dies waren Vorraussetzungen für Selbstbehauptung und eigenverantwortliches Handeln.

Des Weiteren lernte der Knappe den Umgang mit besonders aggressiven Hunden und mit Falken und exotischen Vögeln. Die Jagdfalken und Habichte mußten mit genauem Wurf von der Hand entlassen werden.
Ein weiterer Ausbildungsabschnitt war die Kenntnis und Beherrschung der Regeln der Etikette.

Der adelige Knappe nahm meist auch an Heerfahrten teil. Man kann wohl kaum davon ausgehen, daß er einer größeren Gefahr ausgesetzt wurde, da ohne sie eine Erhaltung der Dynastie meist nicht möglich war. Daher waren sie eher Begleiter von Königen, Herzögen oder Grafen.

Seine Pflichten am Hof waren zum Beispiel Aufwarten an der Tafel des Herrn oder in der Kemenate, ferne Dienste, die der Herrin galten. Oder aber er hatte Unterstützungsfunktionen als Begleiter eines Ritters bei langen Ritten, Kriegszügen, Belagerungen und Turnieren.

Der Knappe niederer Herkunft – Realbild Zum Seitenbeginn

Im Gegensatz zum adeligen Knappen, wurde der Knappe niederer Herkunft nicht sonderlich geschont. Sein Leib und Leben war nicht sonderlich viel wert. Dies resultiert daraus, daß der Knappe dem Ritter im Privatgefolge unterstellt war und von im unterhalten wurde. Erschwert wurde es zusätzlich dadurch, das er noch nicht volljährig war.

In der Heergenossenschaft war er lediglich eine Rechtsperson niederen Ranges. Vorrangig war sein Dienst am Pferd, dessen Versorgung, das Satteln und Aufzäumen, also Pferdeknechts- und Stallburschentätigkeit. Zusätzlich sorgte er für Brennholz für die Lagerfeuer.
Bedingt durch die strapaziösen Märsche reichte es für die Pferde nicht aus sie mit Grünfutter zu füttern. Es musste Kraftfutter (Hafer) für die Tiere besorgt werden. Wenn das Heer Mangel litt und auf Märkten nicht eingekauft werden konnte und keine Hilfslieferungen zu erwarten waren, wurde Futter notfalls mit Gewalt besorgt. Oft artete es in offenen Raub und Plünderung aus. Diese Arbeiten waren für die Knappen nicht ohne Gefahr und begründeten ihren schlechten Ruf und Geringschätzung bei der Bevölkerung.

Ebenso wichtig war der Transport von Teilen der ritterlichen Bewaffnung, deren Bereithaltung und Hilfestellung beim Anlegen der Rüstung um rasch eine Gefechtsbereitschaft herzustellen.

War der Heergefolgschaft das Kriegglück gewogen, so folgten die Knappen den Kämpfenden und legten den niedergerungenen Feinden Fesseln an, um zu einem späteren Zeitpunkt Lösegeld zu erlangen. Den Toten hingegen wurde deren Hab und Gut genommen. Vorrangig wurden Ausrüstungsgegenstände wie zum Beispiel Kettenhemd oder Teilen der Bewaffnung „sichergestellt“. Jedoch ist dazu zu sagen, daß dieser neue Besitz der des Ritters war. An den persönlichen Gegenständen, die sich leichter verbergen ließen, wie zum Beispiel Schmuck, versuchte sich der Knappe zu bereichern. Bei einem Zugriff auf das Lager oder den Troß des Gegners war größere Beute zu erwarten. Um adlige Lebensführung zu gewährleisten, wurden kostbare Gold- und Silbergefäße mitgeführt. Auch Zelte, kostbare Garderobe, Pelzwerk und Gewürze konnten teil der Beute sein.

War jedoch das Kriegsglück dem Heergefolge nicht gewogen bzw. ging die Schlacht verloren, so galt der Knappe als der am verwundbarsten Teil der ganzen Gefolgschaft. Die Ritter konnten sich dank ihrer leistungsfähigen Streitrösser leicht dem Feinde entziehen. Die berittenen Knappen hatten jedoch eine viel geringere Chance zu entrinnen. Vielen sie beim Fall des Lagers in die Hand des Gegners, so waren sie dessen Willkür ausgesetzt. Meist kostete es ihnen das Leben. Von durchbrechenden gegnerischen Verbänden wurden die Knappen angefallen, überritten, verfolgt, eingeholt und niedergemacht. Für gefangene Knappen wurde kein Lösegeld bezahlt.

Bei den Kreuzzügen waren es die Knappen, die den in Gefangenschaft geratenen Heiden, aus Vergeltung und zur Abschreckung, die Köpfe abschlugen, da es für einen Ritter als unehrenhaft empfunden wurde, einen wehrlosen Gegner abzuschlachten.

Die Ausrüstung des Knappen Zum Seitenbeginn

Der Knappe hatte meist nur einen unvollständigen Körperschutz. Er hatte zum Beispiel nur Kettenhaube, Kettenhandschuhe oder ein Kettenhemd mit kurzen Ärmeln. Zusätzlich konnte er noch einen Kegelhelm bzw. Eisenhut als Kopfschutz haben.
Seine Nahkampfbewaffnung waren meist Dolch bzw. Messer. Er führte auch noch Stangenwaffen wie Spieß, Pike bzw. Streitaxt mit einer Stiellänge von ca. 1 m mit sich.
Als Fernkampfwaffe hatte er entweder den Bogen oder die Armbrust.