Mit der Funktion des Marschalls (von ahdt. marahscalc, Marschall, Stallmeister oder Pferdeknecht, zusammengesetzt aus marah, Mähre und scalc Schalk, Diener) war ursprünglich ein (oftmals unfreier) Ministerialer mit der Oberaufsicht über die Stallungen des Königs oder Fürsten gemeint, wobei darin deutlich mehr zu verstehen ist, als ein einfacher Stallbursche oder Pferdeknecht. Vielmehr handelte es sich bei einem Marschall wohl eher um einen qualifizierten Fachmann und Spezialisten im Bereich Pferdehaltung sowie wahrscheinlich auch Heilkunde und Zucht.

Da sich im Verlauf des Mittelalters die militärischen Taktiken schnell deutlich in Richtung schwere Kavallerie verschoben, gewann der Marschall immer mehr Einfluss, so dass dieser Posten mehr und mehr von Adeligen eingenommen wurde, und sich auch sein Aufgabenbereich ins Militärische verschob. Ein Marschall konnte dann beispielsweise für die Sicherheit seines Herrn auf Reisen verantwortlich sein; außerdem führte er den Befehl über die berittenen Truppen. Im angevinischen Reich war der Marschall des Königs (als wohl berühmtestes Beispiel gilt hierbei William Marschall) ein Mitverantwortlicher bei den alljährlichen Steuerüberprüfungen.

Bei den christlichen Ritterorden war das Amt des Marschalls ebenfalls bekannt, so hatte Marschall des Johanniter-Ordens neben der militärischen Führungsposition beispielsweise die Aufgabe, die Waffen und Rüstungen der gefallenen Ordensbrüder zu verwalten, bzw. neu zu verteilen.

Wie bei den anderen Hofämtern ist die obigen Beschreibung der Funktion und Aufgaben sehr allgemein zu sehen und variierte sicherlich je nach Region, Zeitraum und Stellung des jeweiligen Fürstenhofs beträchtlich.

Quellen:
Internet-Lexikon „Wikipedia“, Stichwörter „Marschall“ und „Hofämter“ David Nicolle: Knight Hospitaller; Osprey Publishing Ltd. George Duby: Guillaume le Maréchal ; Suhrkamp

Autor: Björn Bachstein