Das Kettenhemd

Das Kettenhemd war im Hochmittelalter lange Zeit eine der effektivsten Rüstungsformen und die klassische Panzerung eines berittenen Kämpfers. Ein Kettenhemd bestand aus mehreren zehntausend ineinander verflochtenen Eisenringen, von denen, im Normalfall jeder einzelne vernietet wurde, um eine dauerhafte, stabile Verbindung herzustellen. Dieser offensichtlich immense Arbeitsaufwand zeigt den hohen Wert, den ein Kettenhemd hatte, obwohl eine Umrechnung in heute Währung fast unmöglich ist (heutige Versuche einer Wertangabe schwanken zwischen 10 Kühen und 2 Dörfern).
Die Hauptschutzwirkung des Kettenhemdes bestand in seiner Schnittsicherheit, was auch dadurch deutlich wird, dass in heutiger Zeit noch in manchen Beruf (z.B. in Metzgerei- oder Schlachtbetrieben) Schürzen und Handschuhe aus Kettengeflecht getragen wird. Ein weitere Vorteil der Kettenrüstung war darin zu sehen, dass man trotz des hohen Gewichtes, das um 1200 bei einem knielangen Ringelpanzer mit, - wie zu dieser Zeit üblich – angesetzten Handschuhen und Kettenhaube, schon gute 18 – 20 Kilo betragen konnte, eine sehr gute Bewegungsfreiheit hatte.
Etwa ab Mitte des 13. Jahrhunderts kamen zusätzliche Rüstungsteile wie der Plattenrock oder Armbzw. Beinschienen oder Kniekacheln auf, aus denen sich dann im laufe der Jahrhunderten die Plattenrüstung entwickelte, die dann die Kettenhemden von den Schlachtfeldern verdrängten.

Der Helm Zum Seitenbeginn

Keine Rüstung kann ohne einen dazu gehörigen Helm als komplett bezeichnet werden, und da die Verwendung eines Helm hinreichend bekannt sein dürfte, soll hier kurz die Entwicklung dieses Rüstungsteils im Früh- und Hochmittelalter betrachtet werden:
Im Frühmittelalter waren in erster Linie Helme mit angenieteten oder zusammen mit der Helmkalotte aus einem Stück getriebenen Nasenstegen bekannt. Auch Wilhelm der Eroberer trug bei der Schlacht von Hastings 1066 einen dieser so genannten Nasalhelme.
Im Verlauf des 12. Jahrhunderts wurden die Naseneisen zum vollständigen Gesichtsschutz „ausgebaut“, diese Gesichtsplatte wurde auch Barbiere genannt, und auch wenn sich durch sie eine deutliche Einschränkung des Sichtfeld sowie eine erschwerte Atmung ergaben, so wurde diesen Helmen fast immer der Vorzug gegeben, da sie z.B. bei einer Lanzenattacke eines gegnerischen Reiters einen ungleich besseren Schutz boten. Geriet man nach der Lanzenattacke in den Nahkampf, so war es durchaus nicht ungewöhnlich, den Helm einfach abzuwerfen um besser sehen und atmen zu können. Gelegentlich wurde unter dem Helm eine eng anliegende Eisenkappe, die sogenannte Hirnhaube, getragen, die einerseits den Sitz des Helm verbessern soll, andererseits auch für einen gewissen Schutz sorgen konnte, wenn der eigentliche Helm nicht getragen wurde.
Im Laufe ihrer Entwicklung wurde bei den Helmen auch die hintere Kante immer weiter herunter gezogen, so dass sich schließlich gegen Ende des 13. Jahrhunderts der vollständig geschlossene Topfhelm entwickelt und durchgesetzt hatte.
Da die Gesichter der Gepanzerten meist verdeckt und nicht ohne weiteres zu erkennen waren, setzten sich recht schnell andere Kennzeichnungen durch, wie bemalte Helme oder bestimmte Kennzeichnungen der Schild. Darin kann man ohne weiteres einen Ursprung der Heraldik sehen.
Eine Sonderentwicklung stellt der Eisenhut dar, der ab etwa 1200 sehr vereinzelt auftauchte, und sich 50 Jahre später vor allen Dingen bei den Fußtruppen durchgesetzt hatte. Die Hauptvorteile des Eisenhutes bestanden wohl darin, dass man ein uneingeschränktes Sichtfeld hatte und frei Atmen konnte, während die breite Krempe, z.B. während Belagerungen für einen guten Schutz vor von oben kommenden Projektilen bieten konnte.

Der Gambeson / Aketon Zum Seitenbeginn

Der Gambeson oder Aketon ist eine Textilpanzerung, die in erster Linie die Schlagwucht dämpfen soll. Auch wenn diese Rüstungsform erst ab ca. 1250 tatsächlich nachweisbar ist, so ist es doch mehr als nur wahrscheinlich, dass der Gambeson bereits deutlich früher in Gebrauch war, da eine Kettenrüstung nur dann eine komplette Schutzwirkung entfalten kann, wenn man neben der Schnittwirkung (durch das Kettengeflecht) auch die Wucht der Hiebe abdämpfen kann.
Da die Quellenlage für Gambesons sehr unsicher und wage ist, kann man auch über die Konstruktion nur spekulieren. Wahrscheinlich bestand ein Gambeson aus meheren übereinandergesteppten Lagen Leinen oder Wollstoff. Außerdem ist es möglich, dass ein Gambeson aus zwei Lagen Stoff bestand, die mit Polstermaterial wie Rosshaar, Rohwolle, Stroh, Lumpen oder ähnlichem gefüllt wurden.

Die (Ketten-) Beinlinge Zum Seitenbeginn

Bei Kettenbeinlingen handelt es sich um ein Rüstungsteil, welches im Grunde genommen aus dem gleichen Material wie das Kettenhemd besteht und auch ähnlich Schutzwirkungen hat. Die Beinlinge entwickelten sich vor allem als Schutz vor Angriffen durch Fußkämpfer gegen berittene Krieger (ein Krieger zu Fuß findet, wenn er einen Reiter angreift, dessen Knie und Unterschenkel in einer optimalen Angriffshöhe).
Kettenbeinlinge wurden auf der Rückseite des Beines verschnürt und wahrscheinlich an einem separaten Gürtel fixiert. Auch unter dem Fuß, der normalerweise ebenfalls mit Kettengeflecht bedeckt war, war der Kettenbeinling meist geschnürt oder mit einer eigenen Ledersohle versehen.
Bestanden Kettenbeinlinge anfangs nur aus einem recht schmalen Streifen Kettengeflecht, so wurden sie im Laufe ihrer Entwicklung immer breiter, so dass sie schließlich, etwa zu Beginn der zweiten Hälfte der 13. Jahrhunderts das gesamte Bein umschlossen. Ungefähr ab diesem Zeitpunkt entwickelten sich mehr und mehr Kniekacheln und Beinschienen, die dann allmählich das Kettengeflecht verdrängten.