Wie baue ich einen gewölben Schild?

Ich habe in vielen Jahren "Mittelaltermachen" viele abenteuerliche Geschichten gehört, wie man gewölbte Schilde bauen kann. Auch heute höre ich noch recht abenteuerliche Varianten, von Leuten, die einen riesigen Aufwand betrieben haben um einen einzigen Schild zu wölben.

1995 hat ein Schildrohling ca. 150,- DM für mich in Freienfels gekostet. Da ich aber Soldat war, war dies einfach 1/3 meines Soldes und das war deutlich zuviel. Also habe ich mir Gedanken gemacht, wie man mein Problem billiger lösen kann. Ich wollte gerne einen möglichst haltbaren Schild, der mindestens eine Saison Mittelalter überlebt. 1995 gab es keine Schlachtregeln (die kamen erst 1997 :-) und so waren auch noch recht abenteuerliche Waffen auf dem Feld. Es musste also etwas haltbares und preiswertes sein was zusätzlich auch noch stabil ist und halbwegs meinem historischen Grundgedanken von Holz entsprach.

Mal abgesehen davon, daß meine "Erfahrungen sammeln" deutlich mehr als 150,-DM ausmachte, hatte ich nach einem Monat den Bogen raus. Und siehe da, es ist deutlich günstiger!

Was ist also das Geheimnis? Zum Seitenbeginn

Ihr braucht 4 mm dicke Sperrholz- oder Multiplexplatten (3 Stück). Einen Eimer Holzleim in WASSERFEST!! Vier Spanngurte (genau die, die Ihr auch für euren Dachgepäckträger nutzt) und zwei U-Profilstangen (Metall). Bleistift und normales Werkzeug.

Die drei Holzplatten (4 mm dick) könnt Ihr Euch im Baumarkt bereits vorsägen lassen (d.h. wenn Ihr einen Schild in Größe 80 x 60 cm bauen wollt, sollten Eure Platten jeweils 100 x 80 cm sein). Am besten ist es, wenn die Faser längs auf dem Holz läuft. Ihr solltet auch min 10 cm Rand pro Seite mit einberechnen, denn eine um so bessere Passform erhaltet Ihr. 

Auf die obere Platte malt Ihr dann als allererstes eure Schildform auf (denn wenn er gewölbt ist, brecht Ihr Euch einen daran ab und es wird krumm und schief). Die abgerundete Form erhält man z.B. wenn man zwischen oberen Schildrand und der Schildspitze eine Linie zieht, davon eine Mittelsenkrechte nach außen konstruiert (soweit, wie der Bogen rauskommen soll) 

Mit einem Vierkantholz (muß flexibel sein!!!) einfach die gewünschte Biegung vorlegt. Dann kann man mit Hilfe des Bleistiftes am Vierkantholz Langzeichnen und Ihr erhaltet eine vernünftig gebogene Linie. Die Mittelsenkrechte hilft Euch, die Biegung auf der gegenüberliegenden Seite genauso hin zu bekommen.

Nachdem also die Schildform aufgezeichnet worden ist geht es ans Wölben. Die beiden Außenplatten werden jeweils von innen mit Holzleim eingestrichen (ganz Wichtig: Nicht zuwenig - eher zuviel, denn zuviel quillt beim Wölben wieder heraus!). Die drei Eingeleimten Platten werden dann einfach übereinander gelegt und über die Kanten der beiden Längsseiten werden die beiden U-Profile gesteckt. Die U-Profile haben die Aufgabe, die Kanten unter einen gleichmäßigen Druck zu halten und um nicht in der Wölbung selber Wellen zu bekommen. Wenn Ihr drei Holzplatten á 4 mm benutzt, solltet Ihr ein U-Profil mit ca. 15 mm Innendurchmesser nehmen (es darf ruhig locker drauf stecken :-). Dann legt Ihr die Spanngurte um die Längsseite der Holzplatten (ja, über die U-Profile). Am besten ist einer am oberen Schildrand, einer an der Schildspitze und zwei verteilt über die Schildmitte. Auf der zukünftigen Rückseite zieht Ihr dann die Spanngurte feste. Durch das Anziehen der Ratschen fängt das Holz sich an zu biegen. Achtet darauf, daß sich bei den ersten Spannbewegungen alle Holzplatten in eine Richtung wölben. Wölbt dann ruhig ein wenig weiter, als Ihr es eigentlich haben wollt, denn wenn Ihr die Spanngurte wieder löst, entspannt sich das Holz noch ein wenig. Das Spannen erfordert ein wenig Fingerspitzengefühl. Es gibt kein Patentrezept, wieweit man Holz so biegen kann. Nachdem Ihr eure ideale Form erreicht habt, stellt Ihr alles für 24 Stunden in die Ecke (möglichst nicht zu kalt und schon gar nicht feucht!!!).

Nach den 24 Stunden könnt Ihr die Spanngurte abnehmen. Die U-Profile braucht Ihr jetzt auch nicht mehr :-)    Mit Hilfe einer Stichsäge, sägt Ihr den Schild an den aufgezeichneten Linien aus. Fertig ist der Schildrohling.

Wie geht es jetzt weiter? Zum Seitenbeginn

Der Schwachpunkt ist immer der Rand. Da hat man jetzt mehrere Möglichkeiten:

1. man kann den Rand mit Leder oder Rohhaut beziehen.

2. man kann den Rand mit Lochband (Montageband) verstärken und dann mit Leder oder Rohhaut beziehen

3, Ihr lasst einfach den Rand so wie er ist (hält meistens zwei, drei Märkte)

Ich verwende immer die Methode mit dem Lochband. Das ist zwar am historischen Vorbild vorbei, aber das ist Sperrholz und Multiplex auch. Ferner hab ich die Einstellung, daß ein Schild "sicher" sein muss. Ich kämpfe damit auf jedem Markt, fast jedes Wochenende. Ein historisch korrekter Schild hält so eine Strapaze nicht lange durch. 

Ich kaufe Lochband in 12 mm breite und fange in der Mitte des oberen Schildrandes an, es mit kleinen Nägeln aufzunageln. Jetzt ist der Schild aber gewölbt und das Lochband läßt sich nicht so einfach anpassen. Also nehme ich eine Blechschere und schneide das Lochband an den kritischen stellen (immer bitte am Loch) ein. So kann ich das Lochband ganz genau auf den Schildrand anpassen.

Als nächstes folgt die Rückseite. Auf der Rückseite müßt Ihr jetzt die Griffschlaufen und die Schildfessel befestigen. Das kann mit Hilfe von versenkten Schloss-Schrauben (von der Vorderseite her bitte und dann vernünftig im Holz versenken) oder mit Schmiedeeisernen Nägeln passieren (die bitte auch von der Vorderseite). Die Schloss-Schrauben können dann auf der Rückseite mit Muttern gesichert werden und die Nägel können mit den Griffschlaufen umgekramt werden  Als Griffschlaufen und Schildfessel solltet Ihr vernünftiges Leder verwenden. Die Armschlaufe sollte vielleicht noch größenverstellbar sein. Ich empfehle Euch den Schildrücken vor allem im Bereich der Griffschlaufen zu polstern. Das ist einfach viel bequemer :-)

Wenn der Rand so verstärkt ist und die Griffschlaufen und Schildfesseln befestigt sind, bespanne ich den Schild mit Leder, Leinen oder Rohhaut. Die Materialien sind alle soweit historisch korrekt. Wenn Ihr den Schild nur mit Stoff bespannt, solltet Ihr den Schildrand mit Leder verstärken. Dann kann der Schild nach belieben bemalt werden...und FERTIG IST ER :-)

Viel Spaß wünsche ich Euch beim kämpfen.

Autor: Tim Schneider                                                                   © Conciliatores Pacis 2002