Das Problem bei Schwertscheiden ist die aufwendige Handarbeit. Wenn jemand auf einem MA-Markt eine vernünftige Scheide anbietet, bezahlt man mindestens 400,- DM. Dabei ist nicht das Material teuer, sondern vielmehr der Arbeitsaufwand. Ich brauche für eine Schwertscheide mindestens so meine 20 Stunden reine Arbeitszeit.

Was ist das besondere an den Scheiden, die hier beschrieben sind?

Eigentlich nicht viel. Sie sind aus zwei Holzschalen gefertigt und haben einen Fellinnenkern. Die Schwertgürtung ist direkt mit an der Scheide dran.
Scheiden hat man früher benutzt, um ein Schwert sicher und komfortabel transportieren zu können. Wenn man Scheiden nach historischem Vorbild baut, merkt man sehr schnell, dass diese beim tragen fast nicht stören. Für mich erübrigt sich damit eigentlich auch die Diskussion, ob Schwerter auf dem Rücken getragen wurden: Wofür das ganze auch. Viele nehmen ihre Scheiden nicht mit in die Schlacht, aus Angst davor, dass sie kaputt gehen könnte. Eine Scheide mit richtig angebrachter Gürtung hängt so am Körper, dass man gar nicht so schnell darauf fallen kann. Wenn man das Fell in der Scheide noch einölt, hat sich auch die lästige Schwertpflege erledigt. Nie wieder Rost und immer eine geölte Klinge :-
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Was brauche ich zum bauen mindestens? Zum Seitenbeginn

Vernünftiges Holz ca. 2 bis 2,5 Meter lang, 18 mm dick und je nach Klingenbreite 6 bis 8 cm breit (z.B. Kirsche, Nussbaum o.ä.)


Holzplättchen ca. 10 x 10 cm groß und 1cm dick (zum verfüllen der Scheidenspitze)

Leder für den Scheidenbezug und für die Gürtung

Fell für den Innenraum (z.B. Ziege oder Wildschwein - aber nicht allzu
dick wie z.B. Schaf!)

 Sattlergarn und Sattlernadel
 Lederfett
 kleine Nägel
 kleines Fläschchen Holzleim (WASSERFEST!)
 Lochzange
 Lineal
 Anzeichenstift
 Cutter oder Ledermesser
 Hobel oder besser noch Elektrohobel
 Bandschleifer
 Säge oder besser noch Stichsäge mit verschiedenen Sägeblättern
 2 bis 4 Schraubzwingen bzw. Leimklemmen
 übliches Werkzeug (wie Zange, Hammer, etc...)

Womit fange ich an? Zum Seitenbeginn

Als erstes mit dem vermessen
der Klinge. Wichtig ist die Klingenstärke und die Klingenbreite. Am besten, man überträgt die Klingenform auf dünne Pappe.

Als nächstes säge ich mit der Säge das Holzbrett mittig durch, so daß man zwei gleichgroße Stücke erhält. Ihr solltet beim sägen darauf achten, daß das Holzstück 5 cm länger ist, als die Klingenlänge.

Als nächstes lege ich die Pappe (Schablone der Klingenform) auf die Breitseite des Holzbrettes. Die Kante der Schablone soll ca. 5 mm vom angelegten Holzrand parallel verlaufen. Dann die Schablone so befestigen, das Ihr mit einem Stift an der anderen Seite der Schablone langfahren könnt.

Nachdem Ihr die Schablonenseite übertragen habt, nehmt bitte die Schablone wieder runter. An der Linie wird jetzt mit Hilfe des Hobels eine 10 mm tiefe Fläche rausgehobelt. Danach werden die Kanten (im Bild rot dargestellt) mit einem Stechbeitel gesäubert und begradigt.

An der abgehobelten Fläche zeichnet Ihr eine Line an, die parallel an der sauber nachgearbeiteten Kante verläuft. Achtet darauf, daß der Abstand zur Hobelkante immer 5 mm beträgt.

Mit Hilfe der Stichsäge sägt Ihr nun genau an der roten Anzeichnungslinie entlang.

Nachdem Ihr nun die Fläche abgesägt habt, schmirgelt alle Kanten vernünftig glatt und vor allem grade!

Mit dem zweiten Holzbrett werden jetzt die bisher beschriebenen Arbeitsschritte wiederholt. Es muß also ein völlig identisches (und bitte NICHT seitenverkehrt) Gegenstück entstehen.

Die Zeichnungen hier sind wie bereits oben erwähnt nicht maßstabsgetreu. Wenn Ihr jetzt beide Holzstücke übereinander legt müßtet Ihr einen Hohlraum von ca. 10 mm erhalten. Jetzt wird mit Hilfe der Pappschablone das Holzplättchen eingepaßt. Wenn es die richtige Größe hat und auch mit der zweiten Schalenhälfte vernünftig passt, kann das Holzplättchen mit Holzleim eingeklebt werden. Die Übrig gebliebene Kante oben kann dann einfach entfernt werden.

Als nächstes folgt das Einpassen des Innenfell. Mit Hilfe des Cutters, einer Schere oder sonstigen Schneidewerkzeugen passt jeweils ein Fellstück in eine Schalenhälfte ein. Das Fell soll auch an der Seite des stehengebliebenen Holzsteges angeklebt werden. Achtet darauf, das der Strich des Fells immer zur Scheidenspitze hin läuft. Das hat den Vorteil, daß das Schwert einmal besser reingeht und das es schwerer rausfällt. Überstehende Fellkanten einfach abschneiden, so das am Ende in beiden Schalenhälften nur der Innenbereich ausgekleidet ist. Achtet darauf, das Ihr eine ca. 5 mm freie Kante für den Holzsteg der anderen Schalenhälfte laßt. Am zukünftigen Scheidenmund empfehle ich Euch, das Fell mit kleinen Nägeln zu fixieren. Das ist wichtig für die Sitzgenauigkeit des Fells, wenn mal ein Schwert ein wenig hastig oder etwas schiefer eingesteckt wird. Denn wenn Ihr das Fell mit dem Schwert in die Scheide hinein schiebt, bekommt Ihr große Probleme mit dem zurechtrücken und der erneuten Fixierung.

Jetzt können die beiden Schalenhälften miteinander verleimt werden. Achtet dabei darauf, daß kein Fell zwischen die Verbindungsflächen kommt. Mit Hilfe der Schraubzwingen/Leimklemmen könnt Ihr die beiden Holzschalen zum trockenen gegeneinander pressen. Nach ca. 10 Stunden ist der Leim ausgehärtet.

Jetzt könnt Ihr zum ersten mal bereits probieren, wie genau, ordentlich und sauber ihr gearbeitet habt, indem Ihr Euer Schwert vorsichtig in die Scheide steckt. Wenn es paßt könnt ihr weitermachen, wenn nicht überlegt woran es lag und kauft Euch bei nächster Gelegenheit eine Schwertscheide auf irgendeinem Event :-)

Dieser viereckige Kasten muß jetzt natürlich noch in die richtige Form gebracht werden. Am saubersten funktioniert das mit einem Bandschleifer. Ihr habt jetzt auf den flachen Kastenseiten ca. 8 mm Holz. schleift jetzt also zum Rand hin eine vernünftige Wölbung ins Holz.

Nachdem das erledigt ist, kommt die Lederarbeit.

Lederarbeiten an der Holzscheide Zum Seitenbeginn

Benutzt für den Bezug vernünftiges Leder mit einer vernünftigen Stärke (z.B. 2 mm). Wickelt das Leder sparsam um die Scheide und zeichnet Euch die Überlappung des Leders mit Hilfe eines Stiftes auf dem Leder an. Rechnet ca. 2 bis 3 mm mehr dazu und schneidet dann an der angezeichneten Linie das Lederstück aus (vergesst nicht, noch 2 bis 3 mm mehr mit einzurechen, bevor Ihr das Messer ansetzt). Jetzt locht Ihr mit Hilfe der Lochzange (kleinste Lochgröße) viele kleine Löcher in gleichmäßigem Abstand am Rand des Leders entlang. Auf der gegenüber liegenden Lederseite bitte im gleichen gleichmäßigen Abstand lochen (Ich benutze bei so etwas immer anstelle der Lochzange einen Dremel mit 1,5 bis 2 mm Bohrer. Das geht nämlich wesentlich schneller :-) Nun könnt Ihr mit Hilfe der Sattlernadel und dem Sattlergarn das Leder auf den Holzkern nähen. Arbeitet dabei immer ordentlich stramm. Als beste Stichtechnik hat sich bei mir der Kreuzstich bewährt.

Alles weitere könnt Ihr jetzt den Bildern entnehmen. Zum Seitenbeginn